Unser täglich Fleisch – schon wieder ein Fleischskandal

Fleischskandal ! Pferdefleisch in der Lasagne, gammliger Futtermais, der die Milch vergiftet und Eier in der Biopackung, die mit Bio nichts zu tun haben.

Ein Fleischskandal folgt dem anderen, alle sind empört! Während die Händler allesamt Betrüger, die Hersteller die Bösen und Verpackungen nichts als Irreführung sind, ist der ahnungslose Verbraucher mal wieder der Geprellte. Alles schreit nach mehr Kontrollen, schärferen Gesetzen und einem öffentlichen Pranger, damit man schneller informiert ist.

Das große Fressen

Doch ein entscheidender Teil des Problems liegt ganz wo anders. Unser Fleischhunger ist in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass die Produktion vom Konsumgut Fleisch auf normalem Wege gar nicht hinterher kommen würde.

Rinder auf grünen Wiesen

Ein romantisches Bild – zu Großelterns Zeiten grasten die Rinder auf der Wiese, heute erschüttert der nächste Fleischskandal die Medien.

„Normal“ entspricht dabei leider der romantisch naiven Vorstellung einer Landwirtschaft zu Großelterns Zeiten. In den Kinderbüchern der Vergangenheit sieht man Kühe auf einer grünen Wiese, sie fressen Gras und machen fröhlich Muh – in der heutigen Realität sind sie alle zu Kühen der Fleischindustrie geworden, stehen in muffigen Ställen, fressen importiertes Mastfutter und können vor lauter Kollegen ihr eigenes Muh gar nicht mehr hören.

220 g Fleisch täglich

Zu Großelterns Zeiten gab es Fleisch höchstens am Sonntag, es war ein Luxus-Nahrungsmittel und stand nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zur Verfügung.

200g-steak

Ein sattes 220 g Steak täglich – das entspricht dem durchschnittlichen Fleischverzehr

Heute essen ungefähr 85% der Deutschen täglich oder fast täglich Fleisch. Es werden jährlich 300 Millionen Tonnen Fleisch produziert und der durchschnittliche pro Kopf Verbrauch liegt in den Industrieländern bei rund 80 Kilo pro Jahr – das sind 220 g täglich. Rechnet man also alle Wurstbrote, Frühstücksspeckscheiben, Hendl mit Pommes und Schnitzel zusammen, ergibt das an 365 Tagen im Jahr mehr als ein dickes 200 g Steak.

Fleisch hat seinen Preis

Der weltweite Fleischmarkt ist ein wachsender Sektor und die Spekulationen an der Fleischbörse bringen Global Playern gutes Geld. Wer heutzutage gerne Fleisch isst, zahlt für sein Steak einen hohen Preis, selbst wenn er dieses im Billig-Discounter günstig einkauft.

Der deutsche Staat pumpt in die auf Export fixierte Agrarwirtschaft große Geldsummen, die wir aus Steuern finanzieren. Wir subventionieren mit unseren Steuergeldern in Deutschland die intensive Massentierhaltung mit mehreren Milliarden Euro jährlich. Dazu kommen weitere Subventionen für den Export, der bei uns geschlachteten Tiere. Die Kosten für langfristige Umweltschäden oder das Gesundheitsrisiko, das durch den übertriebenen Einsatz von Antibiotika in der Intensivhaltung entsteht, sind heute noch gar nicht zu ermessen.

Nötige Konsequenzen

An vielen Stellen regt sich Unmut und immer mehr Stimmen verlangen weit reichende Reformen. Es braucht sinnvoll verteilte Subventionen und eine Agrarpolitik mit globaler Verantwortung, kontrollierte Preispolitik gegen Dumpingexporte und höhere Einfuhrzölle für die in den Welthandel verstrickten Staaten.

Die in den letzten Jahren immer häufiger aufgedeckten Lebensmittelskandale erzeugen wieder die Tendenz zum verantwortungsbewussten Einkauf, an der Selbstverständlichkeit unseres hohen Fleischkonsums haben sie aber nichts geändert.

Wer sein Fleisch „gut“ einkaufen will, muss natürlich auch die damit verbundenen Mehrkosten tragen. Viel Fleisch – hohe Kosten. Würden Fleisch und Fleischwaren aber nicht mehr so häufig auf unserem Speisezettel stehen, ließe sich der teurere Einkauf auf wenige Euro reduzieren.

Ohne die Bereitschaft, die eigenen Ernährungs- und Einkaufsgewohnheiten zu überdenken, wird sich auf dem eigenen Teller nichts ändern – am Ende entscheidet der Verbraucher selber was darauf landet.

Autor: Boque auf Croque

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