Das Leiden der Meere – Für eine nachhaltige Fischerei

In Deutschland werden pro Kopf jährlich etwa 16 kg Fisch verzehrt. Weltweit ist der Fischkonsum zwischen 1950 und heute von 10 Millionen auf 132 Millionen Tonnen angeschwollen. Diese enorm hohe Nachfrage und die intensive Fischerei in den Meeren gehen unweigerlich mit schwerwiegenden Folgen für die Umwelt und damit für weite Teile der Weltbevölkerung einher.

Der Zustand unserer Meere

Die Situation der Fischbestände ist weltweit alarmierend. Laut Greenpeace sind im Atlantik über 60 Prozent der Bestände überfischt, im Mittelmeer sind es ganze 82 Prozent. Schätzungen zufolge wird der Fischfang, wenn keine drastischen Maßnahmen eingeleitet werden, bis spätestens 2050 zum Erliegen kommen. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Eines der Hauptprobleme besteht in der Intensität, mit der die Meere befischt werden. Kurz gesagt: Die Bestände sind klein, während die Anzahl der Schiffe und die Größe der Fangnetze enorm sind. Auch die technischen Fortschritte, die den hoch technologisierten Schiffen die präzise Ortung der Schwärme ermöglichen, tragen zur gezielten Überfischung bei.

Eine wichtige Rolle spielt außerdem die Politik. Vielerorts werden die Fangquoten schlicht zu hoch, also deutlich über den von Wissenschaftlern empfohlenen Grenzen, festgelegt. In der EU werden die Fangquoten um etwa 35% zu hoch angesetzt. Nur wenige Länder, wie Island oder Norwegen, handeln diesbezüglich adäquat.

Folgen der Überfischung

Die Folgen der Überfischung sind weitreichender, als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten könnte. Grundsätzlich führt die Überfischung zu einem Ungleichgewicht des maritimen Ökosystems und zur Gefährdung der Artenvielfalt. Viele Speisefische, wie beispielsweise der Blauflossen-Thunfisch, sind vom Aussterben bedroht. Die riesigen Fangnetze ermöglichen zudem nicht nur den Fang immenser Mengen an Fisch, sondern werden auch für Meeresgetier, was später nicht auf dem Teller landen soll, zu Falle. Etwa 30 Millionen Tonnen Delfine, Haie, Meeresschildkröten, Tintenfische, Krebse und andere verfangen sich in den Netzen und werden dann, weil unbrauchbar, wieder halbtot über Bord geworden. Dieser Beifang macht Schätzungen der EU zufolge etwa 23 % des Gesamtfangs aus. Hierzu gehören auch junge Fische, die sich aufgrund ihrer Größe noch nicht für den Verkauf eignen. Dies trägt zum weiteren Schrumpfen der Bestände bei, da diese jungen Fische noch keine Chance zur Fortpflanzung hatten.

Die Überfischung hat jedoch auch enorme soziale Auswirkungen für viele Menschen. Reichere Länder, wie viele Mitgliedsstaaten der EU, schließen, um den eigenen Bedarf nach Fisch sättigen zu können, Fischereiabkommen mit ärmeren Küstenstaaten in Westafrika und Asien ab. Schiffe der EU dürfen dann in diesen Gebieten fischen. Für diese Staaten stellt Fisch jedoch eine der essenziellsten Nahrungsmittel- und Wirtschaftsgrundlagen dar, die durch die Fischereiabkommen massiv gefährdet werden.

Was bedeutet „nachhaltige Fischerei“?

Vor dem Hintergrund dieser Informationen sollte auf nachhaltige Fischerei gesetzt werden. „Nachhaltigkeit“ ist in diesem Zusammenhang als extrem vielschichtiger Begriff zu verstehen. Grundsätzlich müssen das Meer als Lebensraum, insbesondere empfindliche und stark gefährdete, wie zum Beispiel Korallenriffe, sowie die Artenvielfalt geschützt werden. Letzteres ist unvermeidlich an die Voraussetzung geknüpft, die Speisefischbestände nicht bis hin zum drohenden Aussterben zu überfischen.

In einer nachhaltigen Fischerei werden zudem nur selektive Fangmethoden angewendet, die Beifang vermeiden und lediglich bestimmte Fischarten fangen sollen. Nachhaltige Fischerei geht jedoch weiter und setzt sich neben allgemein umweltbewussten Handeln, wie Sparsamkeit bei Treibstoff, Verpackung und der Vermeidung von Chemikalien, auch für soziale Belange ein. Dies beinhaltet auch faire Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter und die Berücksichtigung der Länder in den befischten Gebieten, für die die Fischerei ihre Existenzgrundlage darstellt. Insgesamt zeichnet sich eine nachhaltige Fischerei durch allgemeine Transparenz aus, was bedeutet, dass der gesamte Prozess vom Fang bis zum Verkauf des Fischs lückenlos nachvollzogen werden kann.

Besser zertifiziert – Als Verbraucher verantwortungsvoll handeln

Das anerkannte Siegel des MSC (kurz für „Marine Stewardship Council“) ist eine private Organisation, die Produkte aus nachhaltiger Fischerei zertifiziert. Zertifizierte Betriebe müssen einen umfangreichen Bewertungsprozess durchlaufen. Die Erfüllung der Auflagen wird jährlich überprüft und das gesamte Zertifizierungsverfahren muss alle fünf Jahre komplett erneuert werden.

In Deutschland sind rund 6300 MSC-zertifizierte Fisch- und Meeresprodukte erhältlich, was einem Marktanteil von 47% entspricht. Insgesamt hat sich der Anteil von solchen Produkten, die aus umweltschonender Fischerei stammen, auf dem deutschen Markt seit 2009 in etwa verdreifacht. Der Anfang scheint also gemacht. Obgleich letzten Endes Handlungen in der Politik nötig sind, liegt es auch am einzelnen Verbraucher, auf die richtigen Produkte zu setzen, um die Umwelt und die beteiligten Menschen zu unterstützen.

 

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